
Verbotene Stromhalsbänder, edle Dobermänner in dunklen, kleinen Verschlägen, geschlagen und gequält – so beschreiben Anna-Lena Pilgram, Marina Gehring, Martina Herr und Anja Wetzel die Zustände einer Zucht in Niedenstein-Wichdorf. Fotos: Schesswendter
Von Raimund Schesswendter
Nordhessen. Es sind schwere Geschütze, die Hundehalterin Marina Gehring aus Fuldabrück auffährt, wenn man sie auf die Dobermannzucht aus Niedenstein-Wichdorf von Melanie Büchner anspricht. Sie erzählt von ihrem Hund aus dem Dobermannzwinger „Vom Olymp“, der unterernährt gewesen sein soll, hoch verhaltensgestört und ohne Impfpass. Im Kampf um den Impfpass sei sie eingeschüchtert worden, bis hin zu einem Angriff vor ihrer Arbeitsstätte, wo sie gewürgt worden sei.
Schimmel-Futter und schwere Misshandlung
Dazu erzählen sie und ihre Mitstreiterinnen Martina Herr und die Nachbarin der Zuchtstätte, Anja Wetzel, von haarsträubenden Bedingungen. „13 Welpen werden, sobald sie laufen können, in einer ein mal zwei Meter großen Box gehalten“, will auch Anna-Lena Pilgram aus Borken gesehen haben. In der Box daneben soll ein Rüde ohne Tageslicht und Auslauf gehalten werden. Verschimmelte Bäckereiabfälle sollen ihm als Futter dienen.
„Wenn die Hunde nicht spuren, werden sie getreten und geschlagen,“ beschreibt Hobbyzüchterin Herr das Verhalten der Niedensteiner. Melanie Büchner soll bei einer Ausstellung lautstark erzählt haben, wie eine ihrer Hündinnen vor Angst unter sich gemacht hat, als Marcel Büchner sie verprügelte, so Martina Herr. Anna-Lena Pilgram will gesehen haben, wie einer der edlen Hunde mit einem Teleskop-Schlagstock misshandelt worden ist.
Ein weiterer Rüde soll im Wohnzimmer in einer Gitterbox angekettet gehalten werden. Weiterhin berichten Wetzel, Pilgram und Herr von der regelmäßigen Anwendung von Stromschlaghalsbändern, mit der die erwachsenen Dobermänner gequält werden. Tierkommunikatorin Pilgram über den Hund, den Marina Gering aus der Zucht erhalten hat: „Die Hündin ist nicht sozialisiert, sie wird ihre Angst nie ganz verlieren“. Zum Wesen der Hunde aus Niedenstein sagt sie: „Diese Hunde springen weg und zeigen die Zähne, wenn ein Fremder kommt. Kommt so ein Tier als Ersthund in eine Familie, ist das gefährlich.“
Musterzucht für Familien
Melanie Büchner, die betroffene Züchterin, spricht von einer Hetzkampagne gegen sich. „Um Gottes Willen, meine Hunde sind mir heilig, die schlafen bei mir im Bett,“ ist ihre Reaktion, als sie mit den Vorwürfen konfrontiert wird. „Wir halten die Hunde in einem großen Wohnzimmer“, sagt sie. Es gäbe keinen Verschlag, die Hunde würden nie geschlagen und auch die Anwendung von Stromhalsbändern bestreitet sie. Als Nachweis präsentiert Büchner einen Aktenordner voller Preise und Urkunden ihrer Hunde.
„Wären meine Hunde aggressiv, könnte ich mit ihnen nicht auf Ausstellungen gehen,“ sagt die 27-Jährige. Auch von dem Rüden, der in einem dunklen Verschlag in seinem eigenen Kot dahinvegetieren soll, legt sie einen vier Monate alten Richterbericht vor, in dem der Hund als „edler mittelkräftiger Rüde mit einem ausgeglichenen Nervenkostüm“ bezeichnet wird. Er erhält darin die Bestnote V1, darf sich als Sachsensieger bezeichnen.
Verbandspräsident Heiko Anton vom Internationen Hundeverband (IHV) bestätigt, dass ein Hund, der so gehalten würde, wohl eine Begutachtung „im Ring“ einer Ausstellung nicht durchhalten würde. Anton begründet: „Der kennt ja dann keine Hunde anderer Rassen und würde sich entsprechend verhalten. Eine Disqualifizierung wäre die Folge.“
Trotz der Beteuerung eine Musterzucht zu haben und einer entsprechenden Ankündigung, bringt Büchner keinen ihrer Hunde mit zum Termin. Auch die Räumlichkeiten, der „ersten offiziellen Züchterin, die reine Familienhunde züchtet“ (Büchner über sich), bleiben verborgen. Stattdessen verweist sie auf das Veterinäramt, das zwei Mal im Jahr vorbeikomme und nie etwas zu beanstanden habe. Zumindestens die Häufigkeit der Besuche ist eine Lüge. Sie hat ein Schreiben des Amtes vom Mai 2010 dabei, in dem festgehalten ist, dass keine Beanstandungen festgestellt wurden.
Veterinäramt zweifelt
Unterzeichner Veterinäramtsleiter Dr. Hans-Gerhard Heil darf aus Datenschutzgründen nicht über den konkreten Fall sprechen. Er spricht jedoch von den Problemen, die seine unangekündigten Kontrollen mit sich bringen. „Ob jemand seinen Hund schlägt, oder ihn die meiste Zeit ankettet, lässt sich schwer nachweisen“, sagt er. Doch beurteilt das Amt die vorhandenen Tiere nach den Kriterien Ernährungspflege, Verhalten, Haltungszustand. Amtstierarzt Dr. Michael Kusan: „Wenn ein Hund keinen Auslauf hat, sieht man das.“
Der Verbandsdokumentation schenkt man hier wenig Vertrauen. „Wir drei könnten auch einen Verband aufmachen,“ sagt Heil und zeigt auf Kusan und den Redakteur. Die Beamten erzählen von harten Fällen, bei denen sie nicht zögerten, den ganzen Maßnahmenkatalog von der Belehrung über das Hundehaltungsverbot bis hin zum Zwangsgeld auszuüben.
Die Anwendung von Stromhalsbändern etwa sei komplett verboten. Kusan konkret: „Das geht in die Straftat hinein und wird an die Staatsanwaltschaft weitergereicht.“
Ein entsprechendes Verfahren hat Marcel Büchner, der Ehemann der Züchterin, schon hinter sich. Die Staatsanwaltschaft konnte den Vorfall strafrechtlich nicht nachweisen, jedoch zahlten die Büchners aufgrund der Ordnungswidrigkeit eine Buße. Einen entsprechenden Einspruch zogen die Büchners wieder zurück.
„Wir haben es akzeptiert, da die (gemeint sind Gehring, Herr, Wetzel) elf Leute zusammen bekommen haben. Da kommen wir zu zweit nicht gegen an. Aus Kostengründen haben wir dann das Bußgeld akzeptiert“, so die Begründung der Eltern zweier Kinder. Büchner selbst gibt an, neun Gerichtsverfahren gegen die anderen Damen angestrengt zu haben. Auch Herr und Gehring haben noch einige Verfahren gegen die Züchterin laufen.
Zucht oder nicht
Melanie Büchner behauptet, gewerbsmäßige Züchterin zu sein. Dass dies nicht stimmt, muss der Auszubildenden bewußt sein, schließlich ging ein großer Teil des Streites darum, wieviele Hündinnen sie hat. Eine entsprechende Verwaltungsvorschrift sieht vor, dass bei drei oder mehr weiblichen Tieren eine gewerbsmäßige Zucht vorliegt – mit entsprechenden Pflichten. Sie habe nur zwei, gibt sie an.
Sie legt Gesundheitszeugnisse, Protokolle und Zuchtbücher vor. Gegen den Vorwurf der Inzucht wehrt sie sich ebenfalls vehement, verweist auf die unabhängige Zuchtprüfung. „Wir haben vor, die Topzüchter in Deutschland zu werden,“ sagt sie stolz.
Die junge Frau, die ihre Ausbildung zum Zuchtwart aufgrund des Privatkrieges abbrechen musste, wehrt sich gegen alle Vorwürfe, spricht von 60 zufriedenen Kunden. Matthias Riemenschneider aus Gudensberg hat sie mitgebracht, ein weiterer bestätigt per Mail, wie vorbildlich die Zucht sei.
Marina Gehring, Anja Wetzel, Anna-Lena Pilgram und Martina Herr präsentieren ebenfalls Zeugen und Dokumente für ihre Version.



11/02/2012 um 20:31
@sabine wenn sie das thema nervt oder nicht interessiert wieso geben sie ihren senf dazu?
11/02/2012 um 13:44
habt ihr eigentlich nichts besseres zu tun als eure freizeit am pc zu verbringen
11/02/2012 um 17:12
Na das schreibt die Richtige da du so schnell deine Kommentare dazu gibst müsste man meinen du hast den Signalton eingestellt der piep piep macht wenn hier was geschrieben wir bleib doch einfach beim Thema wenn du schon antwortest denn das Thema ist die top Zwingeranlage räusper .. und die armen Tiere die unfreiwillig das Licht der Welt erblicken
10/02/2012 um 10:51
Super gemacht Mama (:
Und natürlich auch alle anderen :b
10/02/2012 um 00:33
Dieser Frau sollte man nicht nur das halten von Hunden verbieten, solchen Leuten gehört nicht mal ein Hamster. Die armen Tiere. Ich hoffe das die Maßnahmen gegen diese “Zucht” erfolg haben und es ein Verbot zum halten von Hunden geben wird.
10/02/2012 um 00:12
Da ich über den Sachverhalt informiert wurde und mir die Haltungsbedingungen aus Persönlichen Erfahrungen bekannt sind, werde nun auch ich gegen diese Frau vorgehen.
Ich habe bereits den TSV informiert und diese werden sich mit der Prüfung befassen.
Schockhalsbänder sollten meiner Meinung nach nur zu einer bestrafung eingesetzt werden : für die Personen die dies den Tieren antuen …… Gott sei dank herrscht in diesem Land noch Meinungsfreiheit !!!
10/02/2012 um 00:02
ich selbst bin froh das ich keinen von den Hunden aus der zucht genommen habe obwohl sie mir sie aufgedrängt hat mit der drohung wenn du ihn nicht nimmst kommt er ins tierheim
09/02/2012 um 23:59
Wenn ich sowas lese könnte ich echt kotzen . Ich bin schockiert das es diesen Zwinger noch gibt!!!!!!! Die Dame erzählte mir selbst das sie sich einen dogo argentino angeschafft hat um ihn mit ihrem dobermännern zu kreuzen damit sie irgendwann weisse dobermänner hat wie kann so jemand ernsthaft denken das sie irgendwann zu den Topzüchtern in deutschland gehört